Medizin-Studium Lübeck bleibt erhalten
Bund entlastet das Land Schleswig-Holstein um mindestens 25 Millionen Euro
Berlin/Kiel/Lübeck. Nach wochenlangen Protesten ist die von der Schließung bedrohte Medizinische Fakultät der Universität Lübeck seit dem Donnerstag der laufenden Woche endlich gerettet.
Die von Schleswig-Holstein geplante Einsparsumme in Höhe von ziemlich genau 25 Millionen Euro soll durch eine entsprechende Umwandlung des Leibniz-Instituts für Meereskunde mit Sitz in Kiel in ein Institut der Helmholtz-Gemeinschaft kompensiert werden. Das bis heute zu 50 Prozent vom Bundesland finanzierte Institut wird damit in Zukunft zu 90 Prozent vom Bund getragen. Das kündigten die amtierende Bundesforschungsministerin Annette Schavan und der zuständige Ministerpräsident des Bundeslandes Schleswig Holstein Peter Harry Carstensen (beide CDU) in der deutschen Bundeshauptstadt Berlin an. Die Zahl der Medizin-Studienplätze in der deutschen Hansestadt soll desweiteren erst einmal nicht verringert werden.
Bedingung für die heutige Lösung war laut der Ministerin Schavan, dass die Zahl der Medizin-Studienplätze in der norddeutschen Stadt Lübeck erhalten bleibt. Die Medizinische Fakultät in der Stadt Lübeck sei ein sehr wichtiger Standort sowohl für die Ausbildung von Ärzten als auch für die deutsche Forschung. Bei der Universität Lübeck “geht es ja nicht um irgendeine Klitsche, sondern um eine Hochschule von großer Qualität”, so die Ministerin in einer aktuellen Stellungnahme.
Carstensen sprach am heutigen Nachmittag von einer Signalwirkung der Unterstützung durch den Bund für strukturschwache Bundesländer. Der Ministerpräsident verhehle außerdem nicht, dass die anhaltenden Debatten um die Schließung zu Vertrauensverlust bei den norddeutschen Studenten und Streit zwischen den beiden Universitäten Lübeck und Kiel geführt habe. Nun sei aber noch im richtigen Zeitpunkt eine gute Lösung gefunden worden.
“Wir sind bei der Konsolidierung unseres Haushaltes und der Sicherung der exzellenten Forschung in Schleswig-Holstein heute einen entscheidenden Schritt vorangekommen”, teilte Carstensen am Nachmittag des heutigen Donnerstag in einem Interview mit. Maßgabe sei in erster Linie gewesen, “dass man etwas Neues ins Sparpaket hineinlegen muss, wenn man etwas herausnehmen will”, so der norddeutsche Politiker weiter.
Lübecks zuständiger Uni-Präsident Peter Dominiak zeigte sich am heutigen Nachmittag durchaus erfreut über die Rettung des norddeutschen Medizin-Studiums. Er habe die Nachricht erst nach einem Telefonat mit dem Ministerpräsidenten Carstensen und de Jager glauben können, erklärte Dominiak. Nur durch den Druck der norddeutschen Studenten sei es der Universität möglich gewesen, “überhaupt zu verhandeln”, so der Präsident in einer Stellungnahme. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki erklärte, die bereits entwickelten Sparideen der Universität Lübeck sollen dennoch detailliert geprüft werden, “insbesondere das Modell einer Stiftungsuni”, betonte er im Anschluss.
Ende Mai des laufenden Jahres hatte die schwarz-gelbe Regierung in dem Bundesland Schleswig-Holstein mehrfach angekündigt, das Medizin-Studium an der Uni Lübeck im Rahmen eines umfangreichen Sparpakets des Jahres 2012 auslaufen zu lassen. Dadurch sollen jedes Jahr zunächst mindestens 24 Millionen Euro, ab dem Jahr 2018 dann etwa 26 Millionen Euro eingespart werden. Kritiker befürchten allerdings, dass dies das Ende der kompletten Universität in der Stadt Lübeck bedeuten könnte.
Gegen die geplante Schließung des begehrten Medizin-Studiengangs in der Stadt Lübeck hatte es in der Vergangenheit wiederholt große Protestaktionen gegeben. Desweiteren gab es in den Koalitionsfraktionen Widerstand gegen die aktuellen Kürzungspläne für die norddeutsche Universität. Drei Abgeordnete hatten in der Zwischenzeit angekündigt, die Pläne auf keinen Fall mittragen zu wollen. Die Parteien CDU und FDP haben im Parlament aber nur eine sogenannte Ein-Stimmen-Mehrheit.
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