Gesundheitsreform 2010: Krankenkassen mit großen Defizit trotz guter Konjunktur
Ein Wirtschaftsaufschwung schlage in den meisten Fällen immer erst mit deutlicher Verzögerung auf die gesetzliche Krankenversicherung durch
Trotz der guten Konjunktur erwarten die gesetzlichen Krankenkassen in der Bundesrepublik Deutschland nach wie vor ein sehr hohes Defizit von ziemlich genau elf Milliarden Euro für das nächste Jahr. Aus diesem Grund sei die geplante Beitragserhöhung um mindestens 0,6 Punkte oder etwa sechs Milliarden Euro unausweichlich, teilte der amtierende Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Herbert Reichelt, am Freitag dieser Woche in einem Interview mit.
Ein Wirtschaftsaufschwung schlage in den meisten Fällen immer erst mit deutlicher Verzögerung auf die gesetzliche Krankenversicherung durch, betonte Reichelt in dem aktuellen Gespräch weiter. Erst wenn die Gehälter in Deutschland wieder stiegen, komme auch wieder deutlich mehr Geld bei den gesetzlichen Krankenkassen an. “Im Moment gehen alle davon aus, dass diese elf Milliarden realistisch sind”, erklärte der Vertreter der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK).
Die Summe hatte die Krankenkasse AOK bereits im letzten Jahr geschätzt, mitten in der internationalen Wirtschaftskrise. Die schwarz-gelbe Regierung ging bei der aktuellen Gesundheitsreform ebenfalls von dem gleichen Fehlbetrag aus. Der fehlende Betrag soll in erster Linie durch die Erhöhung des Beitragssatzes von 14,9 auf dann genau 15,5 Prozent ab 1. Januar und durch Sparmaßnahmen aufgefangen werden.
“Die Beitragserhöhung ist im Moment nicht zu umgehen”, erklärte Reichelt in dem aktuellen Interview weiter. “Sonst hätte man früher gegensteuern und Maßnahmen zur Kostensteuerung früher einführen müssen”, betonte der Sprecher der gesetzlichen Krankenkasse am Freitag. Die Alternative zu dieser Erhöhung wären zum Beispiel Zusatzbeiträge auf breiter Front, so der Manager der deutschen Krankenkasse. Das werde allerdings mit der kommenden Beitragserhöhung so gut wie möglich vermieden. Für die Allgemeinen Ortskrankenkassen gelte auch in Zukunft, “dass wir mit Sicherheit ohne Zusatzbeiträge ins Jahr 2011 starten”, so der Manager.
Reichelt forderte den amtierenden Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) auf, den Krankenkassen deutlich mehr Instrumente zum Sparen zu zur Verfügung zu stellen. Dabei setzt die gesetzliche Krankenkasse auf Einzelverträge beispielsweise mit Kliniken, die ihr günstige Preise garantieren. Konsequenz für die entsprechenden Patienten wäre, dass sie sich Krankenhäuser in Zukunft nicht mehr frei wählen könnten.
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