Barmer GEK: Viele Operationen unnötig – Ausgaben Heil- und Hilfsmittel steigen weiter an
Die Krankenkasse Barmer GEK bemängelt in einer aktuellen Studie, dass deutsche Mediziner zu schnell zum Skalpell greifen würden. So würden herkömmliche Therapien vernachlässigt und das obwohl sie bessere Heilungschancen versprechen als Operationen und zudem kostengünstiger sind.
Die Diskussion über überflüssige Operationen, die in Deutschland immer weiter zunehmen, wurde jetzt wieder neu entfacht. Aktueller Anstoß der neuen Diskussion ist ein Report von Deutschlands größter gesetzlicher Krankenkassen, die Barmer GEK. Dem aktuellen Bericht zufolge zücken deutsche Mediziner viel zu oft das Skalpell anstatt auf einfache Therapien zu setzen. Aber auch die Patienten sind nicht ganz unschuldig an diesem aktuellen Trend.
Ganz besonders deutlich wird dies zum Beispiel bei Gelenkverschleiß. Hier sind die meisten Operationen, nach Ansicht der Krankenkasse vermeidbar. Aber auch bei Inkontinenz oder Venenerkrankungen sollten Ärzte nicht zu schnell zum Skalpell greifen, mahnte die Krankenkasse Barmer GEK am Donnerstag. Hier sollten die Ärzte ihren Patienten frühzeitig zu geeigneten Hilfsmitteln raten.
Durch richtigen Einsatz der Hilfsmittel Operationen vermeiden
Durch die richtige Einsetzung von Hilfsmitteln könnte die eine oder andere Operation erspart werden. Auch Medikamentenkosten könnten dadurch weiter reduziert werden. Als Hilfsmittel gelten zum Beispiel Rollstühle, orthopädische Strümpfe aber auch Hörgeräte. Als Heilmittel gelten im Gegensatz dazu Massagen und Krankengymnastik.
Dem aktuellen Report der Barmer GEK zufolge ist nur jeder zehnte Bundesbürger frei von Beschwerden am Venensystem. Pro Jahr erkranken etwa 470.000 gesetzlich Versicherte an Venenleiden. So werden auch mehr als 300.000 Krampfader- Operationen mit anschließendem Krankenhausaufenthalt durchgeführt, was die Krankenkassen jedes Jahr Millionen kostet. Aber die Patienten tragen eine gewisse Mitschuld an dieser Entwicklung.
nur 37 Prozent nutzen die verordneten Hilfsmittel
So tragen nur etwa 37 Prozent der Patienten die Hilfsmittel, die ihnen vom Arzt verordnet werden, zumindest teilweise und das obwohl diese Therapien bessere Heilungschancen bieten als Operationen. Auch bei den Inkontinenz- Patienten sieht es nicht wirklich besser aus, derzeitig leben in Deutschland etwa sechs bis acht Millionen Patienten mit diesen Beschwerden.
Auch hier lassen sich durch bessere Therapie- Maßnahmen die Kosten für Operationen Senken. So setzten viel zu wenige Ärzte auf das bewerte Beckentraining. Auch bei Arthrose wird zu wenig auch Physiotherapie gesetzt, so die Krankenkasse in ihrem Report. Allerdings steigen die Ausgaben für Heil- und Hilfsmittel immer weiter an. Bei Heilmitteln verbuchte die Krankenkasse im letzten Jahr einen Anstieg von 7,8 Prozent, bei Hilfsmitteln um 5,1Prozent.
10 Prozent alles Ausgaben der Krankenkassen für Hilfs- bzw. Heilmittel
Alle gesetzlichen Krankenkassen gaben im vergangenen Jahr etwa 4,6 Milliarden Euro für Heil- bzw. Hilfsmittel aus. Das entspricht etwa 10 Prozent aller Ausgaben. Zwischen 2004 und 2010 stiegen die Ausgaben für Heilmittel um mehr als 26 Prozent und Hilfsmittel um knapp 15 Prozent. Besonders die demografische Entwicklung und der technische Fortschritt treiben diese Kosten immer weiter nach oben, so die Krankenkasse.
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